SDS lädt Lokalpolitiker und Wiesbadener Berufsschulleiter ein

Rege Diskussionsrunde √ľber schulpolitische Alltags- und Zukunftsthemen

Auf Einladung von Rainer Strack fand im Kreis aller Schulleiter und Schulleiterin der Wiesbadener Berufsschulen ein Gespr√§ch mit Dr. Patricia Eck, SPD-Kandidatin f√ľr den Hessischen Landtag und Hendrik Schmehl, schulpolitischer Sprecher der SPD √ľber Themen des digitalen Wandels in der Ausbildung sowie der Verwaltung und Finanzierung von Berufsschulen statt.

Eck, 34, ist Fachreferentin f√ľr Soziales in der Wiesbadener Stadtverwaltung. Nach ihrem Lehramtsstudium war sie zun√§chst an der IGS Hermann-Ehlers-Schule t√§tig und Lehrbeauftragte an der Universit√§t Mainz.

Schmehl, 33, ist seit 2013 Stadtverordneter und schulpolitischer Sprecher der SPD-Stadtverordnetenfraktion. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft und √Ėffentliches Recht an der Johannes Gutenberg-Universit√§t Mainz.

Im Anschluss an das Gespräch fand ein Interview mit den beiden Politikern statt.

SDS: Frau Dr. Eck, Herr Schmehl, sie haben heute mit einer Schulleiterin und vier Schulleitern der Wiesbadener Berufsschulen zusammen gesessen und √ľber deren Sorgen und N√∂te diskutiert. Was hat Sie am meisten √ľberrascht?

Eck: √úberraschendes gab es weniger. Mir geht es mehr darum, zun√§chst die Sorgen und N√∂te der Schulleitungen zu verstehen und die Themen, die ihnen wichtig sind. Dazu geh√∂rt nat√ľrlich die Digitalisierung, aber auch die Frage, geeignete Lehrkr√§fte mit p√§dagogischer und didaktischer Kompetenz zu finden, um die Bandbreite des Unterrichtsangebots f√ľr 10 Tausend Wiesbadener Berufssch√ľler und Berufssch√ľlerinnen abzudecken. Die damit einherge¬≠henden Herausforderungen haben das Thema insgesamt pr√§senter gemacht.

Schmehl: Negativ √ľberrascht hat mich, dass die Finanzbedarfe f√ľr die Ausbildung √ľber alle Sparten nach K√∂pfen berechnet werden, obwohl die finanziellen Anforderungen pro Sch√ľler je nach Ausbildungsberuf sehr unterschiedlich sein k√∂nnen. Das funktioniert sicherlich an klassischen allgemeinbildenden Schulen. Bei den berufsbildenden Schulen h√§tte ich eigentlich erwartet, dass die unterschiedlichen Bedarfe ‚Äď wie auch an der Universit√§t – ihren Niederschlag finden.

1.¬†¬†¬†¬†¬† Ausstattung berufliche Schulen ‚Äď Digitalisierung

SDS: Frau Dr. Eck, auf Ihrer Nominierungsrede als Kandidatin der SPD f√ľr den 20. Hessi¬≠schen Landtag haben Sie am 16.12.2017 ausgef√ľhrt, dass ‚Äěimmer mehr Sch√ľlerinnen und Sch√ľler nach dem Abi direkt auf die Uni (wechseln)- weil eine Berufsausbildung, z.B. im Handwerk oder in der Industrie, an Wert zu verlieren scheint und bei weitem nicht mehr die gleiche Attraktivit√§t hat wie noch vor 10/15 Jahren.‚Äú K√∂nnen Sie den Wiesbadener Berufsschulen Mut machen und Hinweise geben, wo Sie die De¬≠fizite sehen und wie die Berufsschulen in Wiesbaden ihre Attraktivit√§t verbessern k√∂nnten?

Eck: Der Trend heute ist, dass rund 50% der Sch√ľler das Gymnasium besuchen und danach eher ein Studium aufnehmen als eine Ausbildung beginnen, obwohl die f√ľnf Wiesbadener Berufsschulen mit einer enormen Bandbreite an Schulformen und Ausbildungsberufen, unter anderem in Naturwissenschaften oder Medientechnologie, sehr gut aufgestellt sind. Nach meiner Auffassung ist die Politik gefordert, die Attraktivit√§t und Perspektiven einer Ausbil¬≠dung der √Ėffentlichkeit darzustellen, insbesondere auch in den sozialen Berufen wie Erzie¬≠hung und Pflege.

Schmehl: Ich sehe weniger die Konkurrenz zwischen Studium und Ausbildung, sondern in der Kombination eine sinnvolle Erg√§nzung. Jemand, der nach der Ausbildung ein berufsbeglei¬≠tendes Studium absolviert, kommt die Berufserfahrung zugute. Nicht zuletzt werden Ver¬≠sorgungsl√ľcken bei der Rentenversicherung vermieden, die ein Vollzeitstudium entstehen l√§sst. Hier kommen schnell sechs bis sieben Jahre zusammen.

SDS: Deutsche Sch√ľlerinnen und Sch√ľler schneiden in Bezug auf Ihre Informatikkompetenz nur mittelm√§√üig ab. Das BMBF schreibt daher in seinem Strategiepapier zur Digitalen Bil¬≠dung: ‚ÄěWir wollen die Po¬≠tenziale digitaler Bildung in allen Bildungsbereichen optimal aus¬≠sch√∂pfen, indem wir die Vermittlung digitaler Kompetenz f√∂rdern (…) und die entsprechen¬≠den Infrastrukturen etab¬≠lieren.‚Äú Ist nach Ihrer Meinung der Digitalisierung des Unterrichts ebenfalls die gr√∂√üte Priorit√§t einzu¬≠r√§umen, um insbesondere in einer wirtschaftsstarken Re¬≠gion, wie dem Rhein-Main-Gebiet, den Erfordernissen und Erwartungen an die √∂ffentlichen Bildungstr√§ger zu entsprechen?

Eck: Die Digitalisierung wird sicherlich die allermeisten Ausbildungsberufe ver√§ndern. Neben der gr√∂√ütenteils vorhandenen Kompetenz der Lehrkr√§fte ist es aber enorm wichtig, nach Einf√ľhrung des digitalen Unterrichts einen verl√§sslichen Support vorzuhalten, der die Funkti¬≠onsf√§higkeit dieser Infrastruktur gew√§hrleistet.

SDS: Die f√ľnf Wiesbadener Berufsschulen halten ein breites Bildungsangebot vor mit der kaufm√§nnischen und gewerblichen Berufsschule, der h√∂heren Berufsfachschule, der Fach¬≠oberschule, der Fachschule f√ľr Wirtschaft bis hin zu Fremdsprachenunterricht und InteA-Klassen. Sehen Sie alle Schulzweige gleicherma√üen von der Digitalisierung, fachlich wie finan¬≠ziell, ber√ľhrt und welche konkre¬≠ten Ziele sollen nach Ihrer Meinung damit f√ľr die berufliche Ert√ľchtigung erreicht werden?

Schmehl: Die angebotenen Berufe sind unterschiedlich stark von Digitalisierung betroffen. So sind tendenziell zum Beispiel kaufm√§nnische Berufe st√§rker betroffen als beispielsweise die Pflege. Insofern muss auch eine unterschiedlich intensive Heranf√ľhrung an das Thema Digi¬≠talisierung erfolgen und sich eine bedarfsorientierte Mittelzuweisung ableiten lassen.

Eck: Die Relevanz der Digitalisierung im Beruf ist zu trennen von den Anforderungen in der Berufsausbildung. Angesichts der ‚ÄöDigital Natives‚Äė muss Schule in jedem Fall digitaler werden. Beispielsweise ist die Verf√ľgbarkeit von WLAN unabh√§ngig von der Schulform oder dem Aus¬≠bildungsberuf zu sehen und spielt eine gro√üe Rolle.

SDS: Nehmen wir an, in einem bestimmten Ausbildungsberuf spielt Digitalisierung eine große Rolle. Glauben Sie, dass moderner Unterricht zwangsläufig digital sein muss und daher die sozialen und pädagogischen Kompetenzen stärker in den Hintergrund treten?

Schmehl: Schule lebt davon, dass die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler glaubw√ľrdig erkennen, im Unterricht etwas zu lernen. Das wird nicht dadurch erreicht, dass sie nur Pr√§sentationen oder Filme sehen. Nat√ľrlich muss die digitale Ausstattung den technischen Anforderungen gen√ľ¬≠gen und darf nicht veraltet sein. Gleichwohl ben√∂tigen die Lehrkr√§fte Medienkompetenz, um die Glaubw√ľrdigkeit von Schule als digitalen Lernort zu erhalten.

Eck: Nat√ľrlich darf die P√§dagogik oder soziales Lernen nicht in den Hintergrund von digitalen Unterrichtsformen und ‚Äďmethoden treten; sie bleiben nach wie vor wichtig.

SDS: Wie ändert sich nach Ihrer Meinung die Rolle der Pädagogen durch die Digitalisierung?

Eck: H√§tte man einen gut aufgestellten digitalen Support, dann √§ndert sich nach meiner Mei¬≠nung an der Rolle der P√§dagogen nicht allzu viel. W√§hrend meines Studiums f√ľr das Lehramt war die Medienp√§dagogik bereits elementarer und wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Ich pers√∂nlich w√ľrde mir jedoch w√ľnschen, die P√§dagogik und Didaktik wieder st√§rker in den Mittelpunkt zu r√ľcken, insbesondere wegen der gro√üen Zahl der Quereinsteiger.

SDS: Wir kommen nat√ľrlich auch zum Aspekt der Finanzierung ‚Äď f√ľr Schulen leider ein unbe¬≠friedigendes Dauerthema. Mit dem DigitalPakt#D liegt seit Herbst 2016 ein Vorschlag des BMBF auf dem Tisch, alle rund 40.000 Schulen in Deutschland bis 2021 mit Breitband und der n√∂tigen Hard- und Software auszustatten. Hierf√ľr sollen in den kommenden f√ľnf Jahren 5 Mrd. Euro vom Bund zur Verf√ľgung gestellt werden ‚Äď also 25 Tsd. Euro pro Schule und Jahr. Laut einer Studie der Bertelsmannstiftung werden jedoch rund 14 Mrd. Euro bzw. 75 Tsd. Euro pro Schule und Jahr ben√∂tigt. Welche Ma√ünahmen und Schwerpunkte m√ľssten gesetzt werden, um eine ad√§quate Finanzierung zu sichern oder existieren Wege, mit den ausgelob¬≠ten Budgets auszukommen?

Schmehl: Ich bef√ľrchte, dass von den 5 Mrd. Euro zun√§chst sehr viel in die Infrastruktur flie¬≠√üen wird und die Endanwender davon erst einmal nicht so sehr viel sehen. Im Schulausschuss der Stadt haben wir den Magistrat gebeten zu recherchieren, wie viel von den Bundesmitteln j√§hrlich in Wiesbadener Schulen ankommen k√∂nnten. Gemeinsam mit den st√§dtischen Mitteln k√∂nnten sich die Budgets¬† f√ľr IT nach grober Sch√§tzung verdoppeln. Nat√ľrlich ist der Ruf nach h√∂heren Budgets gerechtfertigt, aber es ist auch der einfachste Weg. Das Geld muss schlie√ülich auch aktiv umgesetzt werden ‚Äď ein Budget allein installiert noch kein Netzwerksystem.

Eck: Ich stimme zu, dass die Infrastrukturinvestitionen zunächst an vorderster Stelle stehen. Allerdings werden sie, je nach Ausstattungsstand der Schulen sehr unterschiedlich ausfallen und sich bemerkbar machen. Jedoch ist damit das grundsätzliche Problem der Wartung und des Supports noch nicht geregelt.

SDS: Als Pilotschule f√ľr WLAN muss die SDS Investitionen in H√∂he von 50 Tsd. Euro pro Jahr t√§tigen bei einem Gesamtbudget von 70 Tsd. Euro pro Jahr. Hinzu kommen laufende Auf¬≠wendungen f√ľr Lehrerfortbildung und Systembetreuung. Was muss die Politik tun, um einer chronisch unterfinanzierten Schule Handlungsspielr√§ume zu verschaffen, die die Erf√ľllung ihres Lehr- und Bildungsauftrags erm√∂glichen?

Eck: Zuerst favorisiere ich die Selbstst√§ndigkeit der Schulen, die Eigenverwaltung und Mittel¬≠verwendung betreffend. Dazu geh√∂ren h√∂here Gelder, um die langfristige Personal- und Sachmittelplanung abzusichern. Hier muss das Land beispringen, weil die Kommunen, vielfach bereits mit Sanierungsf√§llen belastet, dazu nicht in der Lage sind. Im Endeffekt kommen wir nicht um die Diskussion herum, ob wir mehr Geld in die Bildung stecken m√ľssen.

Schmehl: Ja, das w√§re das gro√üe Rad. Es stellt sich die Frage nach der grunds√§tzlichen Ver¬≠teilung von Verm√∂gen und Ausgaben, die man dann herunter brechen kann auf die L√§nder, Kommunen bis hin zu den einzelnen Schulen. Warum sollte man nicht aus dem gesetzten Hamsterk√§fig ausbrechen und stattdessen fragen: Warum diskutieren wir nicht den Rahmen, den wir zur Verf√ľgung haben. Haushaltstechnisch werden Bildungsetats als Ausgaben be¬≠trachtet. Richtig w√§re, sie als Investitionen zu klassifizieren, denen volkswirtschaftliche Ren¬≠diten und langfristige Wohlfahrtsgewinne gegen√ľberstehen.

2.      Sauberkeit Berufsschulen

SDS: Ein prominentes Dauerthema ist auch an unseren Schulen das Problem ‚ÄěSauberkeit und Hygiene‚Äú, insbesondere den Zustand der Sanit√§ranlagen betreffend. Urs√§chlich gehen diese M√§ngel auf zu geringe Reinigungsrhythmen und zu niedrige Servicelevel-Agreements mit den Reinigungsdienstleistern zur√ľck. Welche zus√§tzlichen Budgets m√ľssten in Wiesbaden bereit¬≠gestellt werden, um akzeptable Bedingungen in diesem Bereich herzustellen?

Schmehl: Wir haben die Schulbaumittel in dem jetzt laufenden Haushalt im Gegensatz zum Vorjahr verdoppelt. Wir wissen, es ist immer noch nicht ausreichend. Gleichzeitig besteht das Problem, schaffen wir es innerhalb von zwei Jahren, das zur Verf√ľgung stehende Geld √ľber¬≠haupt auszugeben. Ein zur Verf√ľgung stehender Etat alleine wird ja nicht zu Beton, sondern zur Planung und da haben wir Engp√§sse bei der Umsetzung. Da ist die Stadt jetzt dran. Wir haben die Schulplanerstelle im Schulamt gest√§rkt und wir beauftragen das Hochbauamt im Planungs- und Steuerungsbereich. Dieses wird ein Toilettensanierungsprogramm aufstellen.

Nach meiner Kenntnis werden dabei auch WC Anlagen im BSZ betrachtet und die M√∂glichkeit der Sanierung gepr√ľft. Das Thema ‚ÄěToilette‚Äú ist ein immer wiederkehrendes Thema. Einerseits habe ich die bauliche Situation, die oft v√∂llig unzureichend ist und gleichzeitig habe ich das Sozialverhalten. Das ist jetzt kein Pauschalvorwurf an das Sozialverhalten von Sch√ľlern, aber beide Elemente bedingen sich gegenseitig. Wenn ich einen schlechten baulichen Zustand habe, gehe ich auch anders damit um. Insofern muss unbedingt an dem heutigen Zustand gearbeitet werden.

3.      Mangel Klassenraumkapazität

SDS: In Hessen gibt es zurzeit 93¬†Tsd. Berufssch√ľler, bundesweit 1,3 Mio. F√ľr sie wird deutlich weniger Geld bereitgestellt, als f√ľr Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der allgemeinbildenden Schulen. Pro Kopf stehen nur 3700 Euro einem Betrag von 7000 Euro an den allgemeinbil¬≠denden Schulen gegen√ľber. Dies macht sich unter anderem bei den Wiesbadener Berufsschulen in unzureichenden Raumkapazit√§ten und mangelnder baulicher Ausstattung bemerkbar. Welche kurz- und mittelfristigen Ma√ünahmen sehen Sie, um bauliche Engp√§sse und Instandhaltungsr√ľckstaus deutlich zu entspannen?

Schmehl: Wir haben mit den letzten Haushaltsberatungen Mittel f√ľr bauliche Ma√ünahmen zur Verf√ľgung gestellt und das Hochbauamt sowie die Wibau GmbH mit der Umsetzung beauftragt. Das BSZ profitiert hier beim Thema Klassentrakt, 15-18-Klassen, und dem anstehenden Neubau der Friedrich-Ebert-Schule. Bis zur Umsetzung wird aber noch Zeit vergehen. Aber es h√§ngt nicht daran, dass keine Mittel zur Verf√ľgung stehen. Der Bedarf ist auf der Schulbauliste abgebildet. Die st√§dtische Wibau GmbH ist Bauherr und Eigent√ľmer; sie √ľbernimmt die Finanzierung und die Stadt mietet die Fl√§chen zur√ľck.

SDS: Die Raumthematik wird versch√§rft, da wir in den letzten beiden Jahren 30 zus√§tzliche InteA-Klassen an den Wiesbadener Berufsschulen unterrichtet haben und diese weiter, insbesondere wegen der Sprachf√∂rderung, betreuen m√ľssen. Das hei√üt, wir brauchen zus√§tzlich Personal, R√§ume, Sachressourcen. Der Bildungsmonitor 2017 zeigt konkret auf, dass allein f√ľr Bildungsintegration bundesweit zus√§tzlich 3,5 Mrd. Euro aufzuwenden sind. Ist unter diesem Aspekt aus Ihrer Sicht der rund 4 Mrd. Euro umfassende Etat des Hessischen Kultusministeriums √ľberhaupt ausreichend?

Eck: Erst einmal ist ein großes Lob an die Schulen auszusprechen. Denn ab 2015 war promp­tes Reagieren der Schulen erforderlich. Die Stundentafeln mussten ausgeweitet werden, dass Kollegium musste mitziehen. Die Frage der Integration und Inklusion wird uns noch lange be­schäftigen. Wenn dem erhöhten Integrationsaufwand finanziell nicht Rechnung getragen und von Schulen verlangt wird, die Finanzierung aus den im heutigen Gespräch von den Schullei­tern/-in zitierten Mitteln in Höhe von 105% der Zuweisungen zu stemmen, die aber in der Realität gar nicht existieren, dann wird es schwierig.

Schmehl:. Was ich √§rgerlich finde ist, wenn das Land sich auf den Weg macht und zus√§tzliche Mittel bereitstellt und diese Mittel dann am Bedarf vorbei mit ‚Äěder Gie√ükanne‚Äú √ľber das Land verteilt werden. Wie zum Beispiel bei der Zuteilung der Schulsozialarbeiterstellen durch das Land, wo eine Stelle auf vier Berufsschulen verteilt wurde. Gleichzeitig bekommen Schulen in Wiesbaden mit nicht so gro√üen Herausforderungen in ihrer Sch√ľlerschaft deutlich mehr Stellen. Und da frage ich mich schon, wo ist die Steuerung. Ein erh√∂hter Bedarf muss erh√∂hte Mittelzuweisungen in Stellen oder in Geld zur Folge haben. Denn eigentlich ist ja Geld da.

4.      Veränderung Schulverwaltung

SDS: Das Planungssystem Personal und Budget (PPB) belastet Schulleiter/-in und deren Stell¬≠vertreter/-in in hohem Ma√üe. Im Rahmen der Anhebung bereits g√§ngiger Verfahren auf die SAP-Plattform wird bereits der erste Teil der Anwendung, die Personalplanung, produktiv genutzt. Die weiteren PPB-Anwendungen, wie Lehrerstellenzuweisung, Budgetberechnung sowie die Bewirtschaftung der Schulbudgets sollen nun auch zeitnah produktiv gesetzt wer¬≠den. Arbeiten, die fr√ľher Sekret√§rinnen vorgenommen haben, f√ľhren bei den Schulleitungen heute zu erheblichem Mehraufwand. Sehen Sie ein Konzept, mit dem diese Zusatzbelastung abgemildert werden kann?

Eck: Herr Schmehl und ich haben das Angebot, viele Schulen zu besuchen und uns ein Bild von den Sorgen und N√∂ten in den Wiesbadener Schulen zu machen. Die Schulleitungen unterschiedlichster Schulformen beklagen durchweg den ohnehin enorm gestiegenen Verwal¬≠tungsaufwand, w√§hrend die klassische Schulleitungst√§tigkeit und das p√§dagogische Arbeiten immer mehr in den Hintergrund geraten. Den Tag mit dem aufw√§ndigen Bedienen komplexer Systeme zu beginnen, war sicher nicht ihr Fokus. Diese Aufgaben auf die Schulsekret√§rinnen zur√ľck zu verlagern, kann auch nicht das Mittel der Wahl sein. Aus meiner Perspektive ist da¬≠her zu √ľberlegen, den Schulen Verwaltungskr√§fte an die Seite zu stellen, damit die origin√§ren Aufgaben, n√§mlich Leitung, Planung, Personalf√ľhrung, P√§dagogik und Didaktik wieder in den Mittelpunkt der Arbeit r√ľcken.

Schmehl: Aus meiner Sicht besteht das Thema aus zwei Ebenen. Zum einen ist es die Frage, wer f√ľhrt Eingaben am PPB durch. Ist es sinnvoll, A15/A16-Stelleninhaber mit der Rech¬≠nungserfassung zu betrauen? An weiterf√ľhrenden Schulen gibt es, im Gegensatz zu Grund¬≠schulen, ja noch eine weitere F√ľhrungsebene, die f√ľr Entlastung sorgen kann. Nat√ľrlich geht das nur zu Lasten der Unterrichtsstunden. Zum anderen ist die Frage, was ist zu machen. Wie viel Controlling bringt die Kultusverwaltung in die Schulen, sind die Eingaben f√ľr die letzte Statistik wirklich relevant? Zu hinterfragen ist auch, welche Prozesse vereinfacht werden k√∂nnen. Hier kommen viele Anregungen aus den Schulen, die an der Thematik am n√§chsten dran sind. Wir h√∂ren, dass es oftmals Widerst√§nde in der Kultusverwaltung gibt, die nicht aufgel√∂st werden k√∂nnen.

SDS: Wäre es denkbar, dass das Land Hessen mit den Schulträgern eine Vereinbarung trifft, die den Einsatz zusätzlicher Verwaltungsmitarbeiter regelt?

Schmehl: Das w√§re denkbar, wenn das Land den Kommunen einen angemessenen Finanzaus¬≠gleich zugesteht. Die w√ľrden das Land sogar entlasten, weil Lehrerkapazit√§ten freigestellt w√ľrden, die wieder dem Schuldienst zugef√ľhrt werden k√∂nnen. Das ist sicher mit die Aufgabe der Kommunen und St√§dte, die aber eine Kompensation des Landes wegen potenzieller Ver√§nderung ihrer wirtschaftlichen Lage verlangen m√ľssten.

5.      Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce

SDS: Abschlie√üend zur√ľck zum Thema ‚ÄěDigitalisierung‚Äú. Der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce l√∂st langfristig den Kaufmann/-frau im Gro√ü- und Einzelhandel ab. Die landesweit einzige Modellschule hierf√ľr ist die Obersbergschule in Bad Hersfeld. Die gemein¬≠same Bewerbung von SDS und FLS war von vornherein chancenlos. Was muss im Fall einer hohen Nachfrage Ihrer Ansicht nach passieren, damit Wiesbaden als n√§chster Standort f√ľr diesen Ausbildungsberuf nominiert wird?

Eck: Ich m√∂chte den Blick √ľber Wiesbaden hinaus auf das gesamte Rhein-Main-Gebiet lenken mit seinem Wirtschafts- und auch Bev√∂lkerungswachstum sowie umfangreichen kulturellen Angeboten. Nat√ľrlich f√ľhrt das, zusammen mit dem Anpassungsdruck bei den Berufsbildern, etwa im Bereich Bankkaufmann/-frau hin zu noch st√§rkerer Digitalisierung, zu einer Ver√§nde¬≠rung des Bildungsangebots in einer wirtschaftsstarken Region mit attraktiven Arbeitgebern. Dem k√∂nnen sich die √∂ffentlichen Bildungsangebote nicht verschlie√üen.

Schmehl: Ich verstehe ihre Entt√§uschung. Vielleicht war Bad Hersfeld ja ein Versuchslabor und die Entscheidung auch als Investition in eine eher strukturschw√§chere Region gedacht. Meines Erachtens jedoch wird sich die Entwicklung in den E-Commerce-Bereichen nicht aufhalten lassen und zu einer Teilhabe an digitalen Ausbildungsberufen der Berufsschulen in Wiesbaden und des gesamten Rhein-Main-Gebiets f√ľhren.

Frau Dr. Eck, Herr Schmehl, ich danke Ihnen f√ľr das Gespr√§ch.

(Petra Hilbert)

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