SDS 4.0 ‚Äď dank Smartphone & Co?

Pädagogischer Tag zur Evaluierung des digitalen Medieneinsatzes im Unterricht

Was jahrelang im Unterricht verp√∂nt war – die Benutzung von Mobiles, um schnell einen Tweet abzu¬≠setzen, den WhatsApp-Account zu checken, eben mal zu googeln ‚Äď ist das pl√∂tzlich alles w√§hrend der Schulstunden erlaubt? Nein, und es bleibt auch dabei. Was im ersten Moment wie das Ergebnis einer verhandlungsstarken Sch√ľlervertretung anmutet, hat jedoch seinen Ursprung im KMK-Strategiepa¬≠pier ‚ÄěBildung in der digitalen Welt‚Äú und zielt darauf, Sch√ľlerkompetenzen in der digitalen Kommuni¬≠kation zu st√§rken und moderne Medien im Unterricht erg√§nzend einzusetzen. Also doch keine Tweets oder WhatsApps.

Aber der Reihe nach.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2016 mit dem Strategiepapier ein Handlungs¬≠konzept f√ľr die zuk√ľnftige Entwicklung der Bildung in Deutschland vorgelegt. Hiernach soll die Digi¬≠talisierung in die Lehr- und Lernprozesse des Bildungssystems integriert werden.

Am 13.03.2018 fand Teil 1 des P√§dagogischen Tags der SDS zum Thema ‚ÄěIndividuelle F√∂rderung von leistungsstarken und -schwachen Sch√ľlerinnen und Sch√ľler ‚Äď medienunterst√ľtzt‚Äú statt. Das Ziel war, allen Kolleginnen und Kollegen einen √úberblick √ľber den Einsatz von Informatiksystemen als Unter¬≠richtsmittel aus der infrastrukturellen, organisatorischen, p√§dagogischen und anwendungsbezogenen Perspektive zu geben.

In seinem Impulsvortrag referierte Professor Stefan Aufenanger √ľber verschiedene Einsatzmodelle der digitalen Medien (Ausleihe, 1:1-Modell, SuS-Equipment (BYOD)) und die Voraussetzungen f√ľr die erfolgreiche Implementierung. Wesentliche Erfolgsfaktoren seien ‚Äď gest√ľtzt auf eine Studie der Schottischen Regierung – die ad√§quate Ausbildung der Lehrkr√§fte, der Abbau von Hemmschwellen, √Ėffnung f√ľr experimentelles Unterrichten, M√∂glichkeiten der Kollaboration mit anderen Lehrkr√§ften und Schulen sowie das angemessene Vorhalten der technischen Infrastruktur (aus: Consultation on the development of a Digital Learning and Teaching Strategy for Scotland; http://www.gov.scot/Publications/2015/09/3281/8). Gest√ľtzt auf eigene Forschungsprojekte skiz¬≠zierte er Erfahrungen aus dem schulischen Einsatz, wobei er Effekte, wie vermehrte Gruppenarbeit, Steigerung von Motivation und selbstgesteuertem Lernen sowie Intensivierung der Kommunikation zwischen den Akteuren positiv hervorhob. Insbesondere erm√∂gliche der Einsatz spezifischer Apps die Binnendifferenzierung in Richtung st√§rkerer und schw√§cherer SuS. Hingegen sei eine Leistungssteige¬≠rung oder besserer Unterricht nicht automatisch zu erwarten; zudem m√ľsse anf√§nglich mit Ablen¬≠kungsproblemen umgegangen werden. Aufenanger sieht in der Implementierung, basierend auf einem Medienentwicklungsplan, einen komplexen Ver√§nderungsprozess, dem eine sorgf√§ltige und schulindividuelle Konzeption des Technologieeinsatzes, didaktischer und p√§dagogischer Konzepte sowie die angemessene Aus- und Fortbildung der Lehrkr√§fte vorausgehen m√ľsse. Daf√ľr g√§be es a¬†priori kein Standardverfahren. Vielmehr m√ľsse jede Schule ihr individuelles und didaktisches Konzept entwickeln und mit Geduld austesten.

Dr. Ahmet Camuka fokussierte in seinem anschlie√üenden Vortrag den technisch- organisatorischen Aspekt beim Einsatz digitaler Hilfsmittel und gab einen √úberblick √ľber Funktionalit√§t und Einsatzgebiete spezifischer Apps. Eine gute bis sehr gute private Ger√§teausstattung spreche tendenziell f√ľr das Modell BYOD (Bring your own device) im Gegensatz zu den kostenintensiven 1:1- und Leihmodellen. Der Mehrwert von Apps liegt seinen Ausf√ľhrungen zufolge zum Beispiel im individualisierbaren Vo¬≠kabeltraining, formelbasiertem Lernen, wie etwa in der Chemie, F√∂rderung der Kreativit√§t durch Ein¬≠satz audio-visueller Anwendungen aber auch bei Dokumentation und bei Kommunikation in der Gruppenarbeit sowie Pr√§sentation.

Die Zielsetzung der beruflichen Bildung ist vornehmlich der Erwerb einer umfassenden Handlungs¬≠kompetenz im Kontext von digitalen Arbeits- und Gesch√§ftsprozessen als f√§cher√ľbergreifende Quer¬≠schnittsaufgabe und soll damit die Bedarfe von Industrie und Wirtschaft 4.0 reflektieren. Dazu kom¬≠men Kompetenzen wie das Selbstmanagement, die projektorientierte Kooperation und auch das internationale Denken und Handeln.

Dementsprechend war der zweite Teil unseres Pädagogischen Tages konzipiert, der am 21.03.2018 ganztägig stattfand.

Der Plan bestand darin, in Teams von 3-6 Personen eine Lernsituation oder eine gr√∂√üere Aufgabe aus Lernfeldern, TAFs, F√§chern etc. zu erarbeiten, und zwar differenziert in drei Lernniveaus: F√ľr leis¬≠tungsstarke SuS ,Grundanforderungen f√ľr durchschnittlich lernende SuS und Differen¬≠zierung ‚Äěnach unten‚Äú f√ľr lernschw√§chere SuS. Dazu sollte sodann der spezifische Medieneinsatz ausgew√§hlt wer¬≠den. Die Entw√ľrfe wurden auf Ergebnisb√∂gen, gegliedert nach Phase, Lernziel, Unterrichtsmethode, Fachinhalt, Medieneinsatz und in der vorgesehenen Binnendifferenzierung festgehalten.

‚ÄěEine grundlegende Voraussetzung f√ľr die Umsetzung der Strategie liegt in der Kompetenz der Lehr¬≠kr√§fte, die in die Lage versetzt werden m√ľssen, digitale Lernumgebungen professionell und didak¬≠tisch sinnvoll in ihrem jeweiligen Fachunterricht zu nutzen‚Äú, so Schulleiter Rainer Strack bei der Be¬≠gr√ľ√üung des Kollegiums zu Teil 2 des P√§dagogischen Tages.

Digital unterst√ľtztes Lernen ist eine f√§cher√ľbergreifende Aufgabe und daher nicht allein dem Fach Informatik zuzuordnen. Lernen mit digitalen Medien kann den herk√∂mmlichen Unterricht individuali¬≠sieren. SuS k√∂nnen zum Beispiel neue Stoffgebiete zu Hause per Video erlernen und im Unterricht mit der Lehrkraft vertiefen; oder entsprechend dem pers√∂nlichen Fortschritt Regeln, Formeln oder Gesetze zum Beispiel in der Buchf√ľhrung oder in den Versicherungsbedingungen lernen und wieder¬≠holen. Durch die Entkopplung von Unterrichtsraum und Lernraum k√∂nnen mehr Freir√§ume f√ľr die individuelle Sch√ľlerbetreuung generiert werden.

Die Digitalisierung des Unterrichts eignet sich nat√ľrlich nicht f√ľr jedes Fach und nat√ľrlich auch nicht f√ľr den ganzen Tag. Der Anspruch bleibt, die Potenziale digitaler Medien f√ľr die Verbesserung von Kommunikation und Kollaboration zu nutzen, ohne die herk√∂mmlichen Lehr- und Lernmittel zu erset¬≠zen. Insofern erg√§nzt ihr Einsatz das bew√§hrten Lehr- und Lernmittelportfolio, ohne es zu verdr√§n¬≠gen. Auch in einer digitalen Welt bleibt es dabei:

Damit Sch√ľler Wissen erwerben k√∂nnen, braucht es vor allem Lehrer, die begeistern k√∂nnen. Nicht nur Ger√§te.

Dem Team ‚ÄěSteuergruppe Schulprogramm‚Äú, bestehend aus Martin L√∂ffler, Carsten Mergenthaler, Juliane M√ľller-Zenz und J√ľrgen Ramp, danken wir herzlich f√ľr die Gestaltung und Organisation des P√§dagogischen Tages. Die Veranstaltung war ein wichtiger Schritt f√ľr eine SDS 4.0.

(Petra Hilbert)

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